Wasser ist Menschenrecht – nicht nur in Deutschland! Kampagne gegen die Wasserprivatisierung in Griechenland

Bundesweites Treffen der Griechenlandsolidaritätsgruppen am Wochenende 26./27. November 2016 in Kassel beschloss Kampagne

oxi_demoIn Griechenland soll auf Druck der Troika (Quadriga) das Wasser privatisiert werden. Damit steht zu befürchten, dass die Teile der Bevölkerung, die von der Krise am meisten betroffen sind, keinen Zugang mehr zum Wasser haben, da sie es nicht bezahlen können. Der Widerstand in Griechenland ist groß, die Versorgung mit Wasser ist ein Menschenrecht.
In Deutschland und anderen europäischen Ländern wurde an vielen Orten in den letzten Jahren das Menschenrecht auf Wasser zurückerobert – viele Privatisierungen wurden zurückgenommen. Wasser-Privatisierung lässt sich zur Zeit in Europa schlecht offen durchsetzen, aber die europäischen Falken halten sich an Griechenland schadlos. Hier soll das Wasser – wie alles andere, was der Gesellschaft gehört – zu Profit gemacht werden. Die Quadriga und im Hintergrund multinationale Konzerne (allen voran Suez und Veolia) haben es geschafft, das griechische Parlament  dazu zu zwingen,  die Wasserwerke von Athen und von Thessaloniki in den griechischen Privatisierungsfond zu überführen und somit den Profitinteressen multinationaler Konzerne preiszugeben. 2014 lehnten die Bürger*innen Thessalonikis in einem Referendum die Privatisierung ihres Wassers ab und noch sind die Wasserwerke  nicht in der Hand der multinationalen Konzerne.

Überall auf der Welt hat sich gezeigt, dass Wasser teurer und schlechter wird, wenn es Profitinteressen ausgesetzt wird! Es ist an uns, durch Aufklärung der Öffentlichkeit diesen Skandal zu verhindern.   Die EU, allen voran Finanzminister Schäuble,  will Griechenland zu etwas zwingen, was deutsche Bürger*innen für sich ablehnen! Und was auch in Europa allgemein auf Widerstand stößt.

Wir fordern alle Menschen in Deutschland auf, unsere Kampagne gegen die Wasserprivatisierung in Griechenland zu unterstützen. Wir, Griechenlandsolidaritätsgruppen aus zwölf deutschen Städten, rufen zu einer Kampagne gegen die  Wasserprivatisierung in Griechenland auf! Wer die Kampagne gegen die Wasserprivatisierung in Griechenland unterstützen will, schreibe bitte an griechenlandsoli@web.de

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Selbstverwaltung international: Euromed „Workers Economy“ Meeting (28. – 30.10.16 in Thessaloniki)

Drei Mitglieder des Kölner Griechenland Solidaritätskomitees nahmen am zweiten Treffen der Euromediterranean „Workers‘ Economy“ in der besetzten und selbstverwalteten Fabrik VIO.ME in Thessaloniki teil. Bei dieser Gelegenheit zeigten uns die Kollegen von VIO.ME den mit Spendengeldern u. a. aus Köln angeschafften Renault-Transporter und nannten ihren Plan, einen weiteren Transporter von FORD anzuschaffen, als Anerkennung des Spendenanteils der FORD-Kollegen aus Köln. (Fotos und Bericht)

DSC06003Das erste Euromediterranean „Workers Economy“ Meeting fand 2014 in der damals noch besetzten, jetzt den Arbeitern übergebenen Teefabrik SCOP-TI (früher Fralib) in der Nähe von Marseille statt.Ging es damals um die ersten Kontakte und Informationen über die beteiligten Projekte, konnte bei diesem 2. Treffen in Thessaloniki eine breitere Information, Unterstützung und Zusammenarbeit besprochen werden. So gehörten zu den vertretenen Betrieben, Projekten und Initiativen neben den SCOP-TI-Kollegen, den italienischen Vertretern von officine zero aus Rom und Rimaflow aus Mailand, den VIO.ME-Kollegen aus Thessaloniki und spanischen Vertretern der CNT und Solidaridad Obrera weiterhin neue Vertreter von DITA aus Tuzla in Bosnien, von Jugoremedja aus Zrenjanin in Serbien, ITAS-Prvomajska aus Ivanec in Kroatien, Kazova aus Istanbul in der Türkei und der Social Cooperativa „Margin“ aus Polen.

DSC05938Die Information über die Projekte, der Erfahrungsaustausch und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit machten einen Hauptteil des Kongresses aus. Dabei kam deutlich zum Ausdruck, dass jeder Betrieb, jedes Projekt eine singuläre Situation hat: SCOP-TI z.B. arbeitet im Besitz der Arbeiter und muss sich auf den Vertrieb seiner Produkte konzentrieren. VIO.ME dagegen kämpft immmer noch um die Legalisierung des Projektes und gegen die Zwangsversteigerung des Geländes. Gemeinsam ist ihnen allen ihre antikapitalistische Arbeiterselbstverwaltung und Arbeiterdemokratie im Betrieb.

DSC05990Darüber hinaus wurde sowohl im Plenum als auch in kleineren Panels eine allgemeine Diskussion geführt: z.B. wurde berichtet über die Geschichte der Betriebsbesetzungen und der Arbeiterselbstverwaltung in Europa, insbesondere in Italien, Kroatien, Spanien, Türkei und Großbritannien; es gab aber auch theoretische Diskussionen über die Bedeutung der Arbeiterselbstverwaltung im Verhältnis zur traditionellen genossenschaftlichen Bewegung und als treibender Kraft einer sozialen Umwandlung über den Kapitalismus hinaus. Ebenso wurde über die Vielfalt der Unterstützungsformen für besetzte und selbstverwaltete Betriebe informiert. (Programm und Infos auf der Webseite: euromedworkerseconomy.net).

DSC05921Was VIO.ME betrifft, so war die Vielfalt und Größe der Unterstützerszene während der Tagung unmittelbar spürbar. Ca. 300 Teilnehmer*innen mussten über drei Tage mit Essen und Getränken versorgt, Technik musste bereitgestellt und funktionstüchtig gehalten werden. Angesichts der internationalen Zusammensetzung war ein großer Dolmetscherstab zu organisieren, der alles in die Konferenzsprachen Griechisch, Englisch und DSC05992Spanisch übersetzte. Außerdem gab es musikalische Darbietungen, die Vorführung eines Dokumentarfilms über VIO.ME, Stände mit regionalen Produkten und vieles mehr.

In der Abschlussdiskussion über die zukünftige weitere Zusammenarbeit der Betriebe und Projekte fand ein Vorschlag, eine europäische Kommission DSC05972aus Vertretern dauerhaft einzurichten, keine Mehrheit. Sicher aber wird der Kontakt zwischen den einzelnen Betrieben und Projekten intensiviert und publik gemacht.

Für uns deutsche Teilnehmer*innen war es ein  lehrreicher Kongress, denn offensichtlich ist die Bedeutung der Arbeiterselbstverwaltung bei uns nur wenig beachtet, auch wegen nur kurzzeitig DSC05963existierender Betriebe dieser Art (z.B. streikbike). Betriebsbesetzungen in der Vergangenheit sind bis auf wenige Ausnahmen eher kurzzeitige Kampfmittel als langfristige Übernahmeprojekte gewesen; die derzeitigen Beispiele sind eher Landkommunen oder Genossenschaftsprojekte ohne politische Ausstrahlung. Anders die Betriebe z.B. in Frankreich, Italien, Spanien oder Griechenland. Sie sind Bestandteil der linken Bewegung und erhalten breite Unterstützung.

Dies ist umso mehr ein Grund für uns, weiter über die Kollegen von VIO.ME zu berichten und sie zu unterstützen.

Wegen des Streiks der Flug*innen trafen wir verspätet in Thessaloniki ein und konnten erst ab Freitagabend an der Tagung teilnehmen. Einen Bericht über diesen Tag, veröffentlicht vom Lower Class Magazine, geben wir im Anschluss wieder.

Manfred, Monika, Mostafa

Eindrücke

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Weitere Berichte über den Workers Economy Kongress

Selbstverwaltung und Würde

Bericht lowerclassmag vom 29. 10. 16

Vom 28. bis 30. Oktober findet in den Fabrikhallen von Vio.Me in Thessaloniki der 2. Euromediterranean „Workers Economy“ Kongress statt. Vio.Me war im Jahr 2013 besetzt worden, nachdem der Besitzer monatelang die Arbeiter_innen nicht bezahlt hatte. Nun produziert der ehemalige Baustoffbetrieb in Selbstverwaltung ökologische Reinigungsmittel und beteiligt sich an den vielfältigen sozialen Protesten in der Stadt. Ein passender Ort also, um selbstverwaltete Betriebe und politische Kollektive aus über 16 Ländern willkommen zu heißen. Dutzende Initiativen stellen hier ihre Organisierungskonzepte und Erfahrungen vor und nutzen den Raum der Konferenz zum Austausch und zur internationalen Vernetzung. Neben einer Vielzahl europäischer Kollektive geben auch mehrere Betriebe aus Südamerika einen Überblick über ihre Aktivitäten.

Vollständiger Bericht/ Fotos

Mehr als eine Nische

Bericht lowerclassmag vom 2. 11. 16

Kongressbericht: Arbeiter*innen selbstverwalteter Betriebe diskutieren in Thessaloniki.

Am zweiten Tag der Euromediterranean „Workers Economy“ Konferenz fanden sich mit über 250 Besucher_innen deutlich mehr Leute als am Vortag in der Haupthalle des selbstverwalteten Betriebs Vio.Me ein. Im Unterschied zum ersten Tag wurden verschiedene Fragen der Selbstverwaltung konkreter diskutiert. So erläuterten Vertreter_innen des Sozialen Zentrums „Micropolis“ aus Thessaloniki, welche Schwierigkeiten sich beim Aufbau einer sozialen, auf Solidarität beruhenden, Ökonomie auftun. Hier wurde deutlich, welche Zusammenhänge und Ähnlichkeiten zwischen einer selbstverwalteten Kooperative und der Organisierung sozialer Bewegungen bestehen. Dazu werden wir in den nächsten Tagen noch einmal ausführlicher berichten.

Vollständiger Bericht/ Fotos

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Thatcher war harmlos dagegen

Von Carolin Philipp

Die Journalistin und Filmemacherin Eurydike Bersi über die Privatisierungspolitik in Griechenland

Wie beurteilen Sie die Privatisierungspolitik in Griechenland im Vergleich mit neoliberalen Maßnahmen in anderen Ländern?
Angesichts der großen Anzahl von Zwangsprivatisierungen zu niedrigsten Preisen im Eiltempo würde ich sagen, Thatcher war harmlos dagegen. EU-Kommissionspräsident Junker hat offen gesagt, dass die deutsche Treuhand das Modell für die Veräußerung und Liquidierung griechischer Vermögenswerte ist.

Glauben Sie, dass es Bereiche gibt, in denen die griechische Regierung unabhängig agieren kann?
Ich glaube nicht, dass bei Privatisierungen viel Handlungsspielraum besteht. Insgesamt werden die öffentlichen Vermögenswerte Griechenlands der demokratischen Kontrolle entzogen und von den Gläubigern und Investoren kontrolliert.

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(c) Neues Deutschland (19. 11. 2016)
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Arbeiterbetrieb vio.me wehrt sich gegen Versteigerung

Von Ulrike Kumpe

Mitabeiter Dimitris Koutamatiolis im Gespräch über die Zukunftsaussichten und anstehenden Kämpfe der selbstverwalteten Fabrik

Die Fabrik vio.me wird seit 2011 von den Mitarbeitern in Thessaloniki selbstverwaltet betrieben. Was hat sich an der Produktion verändert?
Die Produktion ist jetzt viel größer geworden. Zu dieser Entwicklung hat der Online-Shop beigetragen. Alle 22 Arbeiter können jetzt hier arbeiten und es gibt einige externe Mitarbeiter. Diese sind aber nicht Mitglieder des Kollektivs. Sie liefern mit dem Fahrrad vio.me Produkte aus. Zu dieser Vergrößerung der Produktion hat außerdem die Ausweitung unseres Netzwerkes beigetragen. Dazu gehört auch die Unterstützung aus dem Ausland, wie Deutschland sowie das Solidaritätsnetzwerk in Griechenland. Außerdem produzieren wir jetzt wieder Kleber und einen organischen Putz.

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(c) Neues Deutschland (16. 11. 2016)
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