„Wenn du dein Haus verlierst“

Von Rodothea Seralidou (Deutschlandfunk, Europa heute)

Mieten werden nicht bezahlt, Kredite nicht bedient – viele Griechen haben nach Jahren des harten Sparkurses Probleme, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Die Folge: Immer mehr Häuser werden zwangsversteigert und die Bewohner landen auf der Straße.

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Reportage über den Goldabbau auf der Halbinsel Chalkidiki (ARD)

„Eldorado“, so heißt die kanadische Firma, die den Goldabbau auf der Halbinsel Chalkidiki vorantreiben will, in Verbindung mit  ihrer Tochterfirma „Hellas-Gold“. Seit mehr als 20 Jahren leistet die Bevölkerung erbitterten Widerstand, aus gutem Grund. Es drohen massive Ausbeutung, die Verheerung und Verwüstung der Landschaft, weitere Abholzungen und hochgiftiger Abfall.  Die Tsipras-Regierung hatte 2015 versprochen, das Abbauprojekt zu beenden, dies ist nicht geschehen. Zur Zeit gibt es keine Genehmigung zum Betrieb der Goldmine, die Anlage befindet sich „im Wartungszustand“. Die Reportage von Hilde Stadler stellt die Situation und den Widerstand der Menschen ausführlich dar.

Interview mit der Aktivistin Maria Kadoglou von 2015 (engl.)

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Griechenland wurde zu einer modernen Kolonie

Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Dimitris Rizoulis, deutsche Version: Griechenland-Blog

In Griechenland mag sich die Agenda geändert haben, das Klima bleibt jedoch dasselbe!

Griechenland ist ein „anderes“ Land: armseliger, verwundbarer und mit allen Charakteristika einer modernen (Schulden-) Kolonie behaftet.

Trotz der nach den jüngsten mörderischen Bränden erfolgten Änderung der (politischen) Agenda beginnt demnächst formal die post-memorandische Periode.

Griechenland wird lange an den Wunden der Memoranden leiden

Die Epoche, in der wir uns derzeit befinden, ist tatsächlich „anders“. Allein die Titelseiten der Zeitungen anschauend wird man feststellen, dass die Thematik kaum noch etwas mit all dem zu tun hat, was sie vor 2 – 3 Jahren schrieben.

Merkel, Eurogruppe, ELA, die ausländischen Ratingagenturen und alles, was uns hier in Griechenland acht Jahre lang beschäftigte, wurden wieder zu Ein- oder Zweispaltern. Die neuen Begriffe und Wörter, die wir gelernt hatten (swap, haircut, capital controls), begannen in Vergessenheit zu gelangen, und die zwangsweise … „Spezialisierung“ des griechischen Volks in Themen, die eigentlich nur Technokraten beschäftigen sollten, fand – wie es in jedem normalen Land zu geschehen hat – endlich ein Ende.

Die Agenda änderte sich also. Das Klima blieb jedoch das selbe. Und es wird für sehr lange Zeit so bleiben, da die Wunden aus den Memoranden tief und ihre Folgen unvermeidbar sind. Von welcher post-memorandischen Periode spricht also die SYRIZA, wenn die Gesellschaft weiterhin ächzt und kein Licht am Ende des Tunnels sieht?

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Fünfzig Meter Strand

Nach zehn Jahren Ausplünderung ist Griechenland ruiniert. Aufschwung ist nicht in Sicht

Von Hansgeorg Hermann, Vamos (Kreta) (in: Junge Welt vom 4. 8. 2018)

Liegen vermieten am Strand: Nach zehn Jahren Krise sind viele Griechen über jeden Job glücklich Foto: Yorgos Karahalis/Reuters

Wenn die Griechen in einem Jahr, im September 2019, wieder zur Wahl gehen, dürfte der gegenwärtige Ministerpräsident Alexis Tsipras sie nicht gewinnen. Der Mann, der vor knapp vier Jahren noch die Hoffnung großer Teile der europäischen Linken war, gilt nicht mehr als der »geniale Stratege«, als der er im Januar 2015 einen fast sensationellen Sieg eingefahren und die Regierung in Athen übernommen hatte. Seine Partei der »Radikalen Linken« (Syriza), die im Winter 2014 in Thessaloniki noch 23 Bündnispartner des gesamten linken politischen Spektrums vereinigt hatte, ist zerfallen. Übriggeblieben ist eine schlappe sozialdemokratische Formation, die seit nunmehr dreieinhalb Jahren als Erfüllungsgehilfin des Finanzkapitals auftritt. Nach aktuellen Umfragen könnte sie bei der Wahl im kommenden Jahr noch auf 24 Prozent kommen. Klar in Front liegt die konservative Nea Dimokratia (ND) mit 36 Prozent.

Kenner griechischer Verhältnisse haben recht behalten. Mikis Theodorakis, Komponist und ehemaliger Widerstandskämpfer gegen Wehrmacht und Obristenregime, sagte bereits im Frühjahr 2015 im Gespräch mit jW voraus, dass »sie uns verraten werden«. Seit Tsipras im Juni 2015, trotz des klaren Ergebnisses einer von ihm selbst angesetzten Volksabstimmung, gegen den Willen von 60 Prozent der Griechen und zwei seiner wichtigsten Minister das vom damaligen deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble geforderte Memorandum zur Fortsetzung einer zerstörerischen Austeritätspolitik unterschrieb, haben mehr als eine halbe Million junger, bestens ausgebildeter Menschen das Land verlassen – meistens in Richtung Deutschland, England und Frankreich, wo man sie als Arbeitskräfte mit Universitätsdiplom gut gebrauchen kann.

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Griechenland gelähmt von der Brandkatastrophe


erschienen bei Telepolis

Brand in Mati. Bild: W. Aswestopoulos

Nahezu sämtliche öffentliche Diskussionen drehen sich um die verheerenden Brände, die politische Verantwortlichkeit, die Sparpolitik und die Konsequenzen

Seit dem Montag, dem 23. Juli ist die Zeit in Griechenland stehen geblieben. Drei Viertel der täglichen Nachrichtensendungen drehen sich nur um dieses Thema. (…)

Die Toten der Brandkatastrophe von Mati beherrschen die Agenda

Nahezu sämtliche öffentliche Diskussionen drehen sich nur um die verheerenden Brände, die im Großraum der Hauptstadt, knapp 30 km vom Zentrum Athens entfernt, eine immer noch nicht endgültig bestimmte Zahl von Todesopfern gefordert haben. Die Opposition verlangt Rücktritte, die Alexis Tsipras als Premierminister mit dem Verweis auf seine politische Verantwortung verweigert. (…)

Statt innerhalb der eigenen Reihen nach Verantwortlichen zu suchen, lässt die Regierung nichts unversucht, um die ihr bekannte Wahrheit zu verschleiern. Dabei wird die Schuld am Desaster auch den Opfern selbst zugeschoben. Nur häppchenweise kommt zutage, dass Tsipras bereits frühzeitig von den Todesopfern gewusst haben muss, dies aber der Bevölkerung bei seinen Ansprachen verheimlichte. „Todesopfer sind erst amtlich, wenn der Gerichtsmediziner den Totenschein ausstellt“, ließ Vizegesundheitsminister Pavlos Polakis die Bevölkerung wissen.

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft mit Sonderkommissionen, um die Vorgänge aufzuklären und Verantwortliche zu identifizieren. (…)

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Solidarität vor Gier

Appell

an die Regierungen der Eurozone, an den Präsidenten der Eurogruppe, Mário Centeno und an den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi. 

“Ich nahm mein Kind und rannte Richtung Meer.” So wie Panagiotis versuchten Tausende Griechinnen und Griechen, sich vor den Flammen zu retten. Nicht alle haben es geschafft, die Zahl der Toten ist inzwischen auf 88 gestiegen. Manche beklagen, dass die Behörden nicht schnell genug reagiert haben. Für viele spielt aber auch die jahrelange rigorose Sparpolitik, zu der Griechenland gezwungen wurde, eine Rolle. Weil Feuerwehrausstattungen und öffentliche Infrastruktur vernachlässigt wurden. [1]

Die Griechinnen und Griechen brauchen unsere Solidarität. Und sie brauchen jeden Cent, der ihnen rechtmäßig ohnehin gehört. Weiterlesen

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Was steckt hinter den tödlichen Waldbränden in Griechenland?

Bericht von Yanis Varoufakis, 26. 7. 2018

ATHEN – Letzten Montag brach über die griechische Region Attika eine biblische Katastrophe herein. Die ersten Anzeichen dafür sah ich vormittags am Athener Flughafen, als ich meine Tochter nach Australien verabschiedete. Es roch stark nach brennendem Holz, also schaute ich in den Himmel. Dort sah ich eine weißlich-gelbe Sonne – umgeben von dieser verräterischen Dunkelheit, die nur von dickem, himmelhohem Rauch stammen kann.

Am frühen Abend kamen dann immer mehr Nachrichten. Viele Häuser unserer Freunde und Verwandten in Ost-Attika waren zerstört. Die außer Kontrolle geratenen Waldbrände hatten sich bis an die eng bebaute Küste gefressen. Dabei hatten sie die Siedlung Mati und die Stadt Rafina von Athen abgeschnitten und die Bewohner gezwungen, in Richtung Meer zu fliehen. (…)

Wie so oft, wenn Griechenland von Waldbränden heimgesucht wird, vermutet die Regierung Brandstiftung als Ursache. Ich kann zwar ein Verbrechen nicht ausschließen, aber überzeugt bin ich nicht. Zu oft hat die griechische Regierung schon Vorteile daraus gezogen, Profitjägern, Brandstiftern, Terroristen oder sogar ausländischen Agenten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wenn die Nachrichten durch solche Vorwürfe der Brandstiftung dominiert werden, müssen die Politiker nicht zugeben, dass sie keine Vorbereitungen getroffen und keine angemessenen Gesetze und Sicherheitsvorkehrungen erlassen haben.

Und was haben eigentlich die griechischen Sparmaßnahmen und die anhaltende Große Depression im Land mit der ineffektiven Reaktion auf die Katastrophe zu tun?  (…)

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